Lebensmittel wertschätzen und vor der Tonne bewahren
Stand:
In privaten Haushalten entstehen jedes Jahr 6,5 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Das sind pro Bundesbürger rund 78 Kilogramm. Wie Sie Lebensmittel retten können, erfahren Sie in diesem Artikel.
Foto:
estradaanton / stock.adobe.com
Das Wichtigste in Kürze:
Durch praktische Haushaltsführung können Lebensmittelabfälle vermieden werden.
Die meisten Verbraucher:innen gehen richtig mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum um.
Die Wertschätzung von Lebensmitteln muss von Kindesalter an gelernt werden.
Die Hälfte der Abfälle ist vermeidbar.
On
Ursachen und Zusammensetzung der Lebensmittelabfälle
Jedes Jahr entstehen in privaten Haushalten Lebensmittelabfälle, die hätten vermieden werden können. Vor allem leicht verderbliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Brot und Backwaren sowie Milchprodukte zählen dazu. Etwa 60 Prozent, das entspricht rund 3,9 Millionen Tonnen, sind jedoch unvermeidbar, da er aus Küchenabfällen, Schalen, Knochen und anderen nicht essbaren Teilen besteht.
Welche Lebensmittelgruppen in Haushalten in welcher Menge betroffen sind, zeigt die folgende Grafik.
Die wichtigsten Ursachen für Lebensmittelabfälle liegen letztlich auch in der praktischen Haushaltsführung, wenn etwa
Lebensmittel durch falsche Lagerung schneller verderben. Das kann zum Beispiel bei Obst und Gemüse zu Schimmelbefall führen,
zu viel gekocht wurde und die Reste nicht weiterverwendet, sondern entsorgt werden,
im Kühlschrank wegen Unübersichtlichkeit und Fülle Produkte vergessen werden und verderben,
Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder überschritten haben, fälschlicherweise direkt in der Tonne landen – und zwar ohne dass geprüft wird, ob sie noch verzehrfähig sind.
Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)
Immer wieder wird Verbraucher:innen vorgeworfen, sie würden nicht richtig mit dem MHD umgehen. Doch eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung hat ergeben, dass nur 6,8 Prozent der Verbraucher:innen Lebensmittel wegen Überschreitung des MHDs ohne Prüfung entsorgen.
Im Jahr 2020 führte die GfK eine repräsentative Befragung bei ca. 6.000 Haushalten durch. Sie sollten über 14 Tage systematisch die Lebensmittelabfälle dokumentieren. Ein Ergebnis aus der Studie: Je mehr Personen im Haushalt leben, desto weniger Lebensmittel wurden weggeworfen:
Bei einem Einpersonenhaushalt lag die Abfallmenge bei circa 79 Kilogramm.
Bei einem Zweipersonenhaushalt liegt die Abfallmenge bei etwa 59 Kilogramm pro Kopf.
Bei einem Mehrpersonenhaushalt liegt die Abfallmenge bei circa 44 Kilogramm pro Kopf.
Wertschätzung von Lebensmitteln
…ist eine positive Grundhaltung gegenüber der Nahrung, den Pflanzen und Tieren als auch den Menschen, die sie herstellen.
…ist der bewusste Umgang mit Lebensmitteln, weil die Herstellung viel Energie und Rohstoffe erfordert, Tiere gehalten und getötet werden, erhebliche Umwelt- und Klimafolgen entstehen und Nahrung weltweit ungleich verteilt ist.
…wird geprägt durch den praktischen Umgang mit Lebensmitteln und den Erwerb von Konsumkompetenzen im Elternhaus, in der Schule und durch Bildung allgemein.
Die Wertschätzung für Lebensmittel ist bei vielen Menschen verloren gegangen. Zurückzuführen ist dies auf die ständige Verfügbarkeit aller Lebensmittel verbunden mit einem relativ niedrigen Preis, auch wenn diese seit einigen Jahren aus unterschiedlichen Gründen gestiegen sind. Lebensmittel sind über Jahrzehnte immer billiger geworden. Die Ausgaben für Nahrungsmittel lagen 1950 bei 50 Prozent des Haushaltseinkommens. Derzeit sind es laut dem Statistischen Bundesamt rund 15 Prozent. Gerade billige Lebensmittel werden oft leichtfertiger weggeworfen als höherpreisige Lebensmittel.
Das Wissen bei Verbraucher:innen über Anbau, Tierhaltung, Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln sowie die Grundlagen der Zubereitung von Speisen, wie etwa Hygiene, Lagerung, Planung und Resteverwertung, ist heutzutage geringer. Das Alltagswissen über Lebensmittel und Ernährung muss gestärkt werden und zwar angefangen beim Kindesalter bis zum Erwachsenenalter. Nur so kann langfristig ein verantwortungsvoller Umgang und eine Wertschätzung von Nahrungsmitteln erreicht werden.
In Zukunft: Halbierung der Lebensmittelabfälle
Pro Kopf und Jahr landen ca. 78 Kilogramm Lebensmittel in der Tonne. Davon sind rund 40 Prozent, also 31 Kilogramm vermeidbar (= rund 85 Gramm/Tag).
Dazu können Verbraucher:innen ihren Beitrag leisten, indem sie:
Musterfeststellungsklage gegen Sparkasse Märkisch-Oderland
Die Sparkasse Märkisch-Oderland hat vielen Prämiensparern nach Ansicht der Verbraucherzentrale jahrelang zu wenig Zinsen gezahlt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) klagt deshalb gegen die Sparkasse. Am 26. Februar 2025 urteilte das Brandenburgische Oberlandesgericht. Um höhere Nachzahlungen für die Betroffenen zu erwirken, geht der vzbv nun vor den Bundesgerichtshof (BGH).
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) klagt erfolgreich gegen die GASAG AG
Das Kammergericht hat die Tarifspaltung des Berliner Gasgrundversorgers für unzulässig erklärt. Daraus können sich hohe Nachforderungen derjenigen Verbraucher:innen ergeben, die in den teuren Neukundentarif gefallen waren. Das letzte Wort wird aber wohl der Bundesgerichtshof haben.
2. Dezember 2021: Kunden:innen der GASAG in der Grund- oder Ersatzversorgung mit Gas zahlten vor diesem Datum 6,68 Cent pro Kilowattstunde. All jene Verbraucher:innen, bei denen der Belieferungsbeginn zwischen dem 2. Dezember 2021 und dem 30. April 2022 lag, zahlten mehr als 18 Cent. Der Tarif für Bestandskund:innen blieb wesentlich günstiger. Davon betroffen sind zehntausende Verbraucher:innen. Für sie kann sich der Preisunterschied schnell auf hunderte von Euro summieren und existenzbedrohend sein. Der vzbv hält das „Zweiklassensystem“ der GASAG für unrechtmäßig und will mit der eingereichten Musterfeststellungsklage den Betroffenen helfen.